Und wieder war es soweit: Der Höhepunkt der Transalp-Saison 2010 - die einwöchige Alpentour stand bevor. Dieses Jahr waren 12 Transalps aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei. Alle fanden es erst mal gut, dass unser Basislager in Bruneck/ Südtirol so nah an der Heimat war, wie auf keiner Alpentour jemals zuvor. Allerdings hatte die Nähe auch einen Haken…

Aber zuerst mal alles der Reihe nach.

 

Samstag, 28.8.

Bei zumeist sonnigem Wetter trafen die Teilnehmer in Seeshaupt am Südufer des Starnberger Sees ein. Mittlerweile war der Anteil der Hotelschläfer auf 50% gestiegen. Unser einstmals stolzes Zeltlager war somit schon ziemlich geschrumpft. Aber so ist nun mal der Trend. Wir sollten allerdings früher als gedacht mächtig froh darüber sein…

Doch zunächst ging es gemeinsam zu Fuß in ein nettes Lokal direkt am Seeufer zum Abendessen. Das Wiedersehen und Kennenlernen wurde emsig gefeiert.

 

Sonntag 29.8.

Pause am Zirler Berg mit geschlossenem Panorama-CaféDie Nacht über herrschte wechselhaftes Wetter mit zum Teil heftigen Regengüssen. Auch morgens mussten wir uns sputen die Zelte in den Regenpausen abzubauen. Aber bald waren Zelter und Hotelschläfer wieder am Seerestaurant zum Frühstück vereint. Die Wolken begannen sich wieder aufzulösen, so dass wir um 11 Uhr bei Sonnenschein Richtung Süden starten konnten. Die Straßen waren zunächst nass, und es tröpfelte hin und wieder. Aber spätestens nach dem Seeberger Sattel an der österreichischen Grenze kam die Sonne richtig durch.

Wir konnten es uns aufgrund der geringen Entfernung leisten auf Landstraßen durch Österreich zu fahren. Das Highlight war die Serpentinengruppe zu Beginn der Brenner-Bundesstraße, auf der unerwartet wenig los war. Die Fahrt durchs Pustertal in Südtirol - die letzte Stunde - war dann schon eher zäh. Später erfuhren wir, dass die Straße generell überlastet und die Stop-and-go-Fahrerei die Regel ist. 10 km nach Bruneck bei Antholz bezogen wir dann unsere Zelte und Appartements. Abends ging’s zu Fuß in eine nahe gelegene Pizzeria, wo wir ausgiebig aßen und tranken. 

Montag, 30.8.

Die ganze Nacht regnete es in Strömen - und hörte auch morgens nicht auf. Von den Bergen war absolut nichts mehr zu sehen. An ein Frühstück im Freien, wie wir es in all den Jahren vorher gewohnt waren, war daher nicht zu denken. Dazu kam, dass das Restaurant auf dem Zeltplatz heute Ruhetag hatte. In unserer ganzen langen Geschichte hatten wir so eine Situation tatsächlich noch nie. Drum existierte auch kein Plan B! Das ist halt das Problem mit der Nähe zur Heimat... Doch die Rettung nahte in Gestalt unserer Hotelschläfer. Anders als letztes Jahr waren sie nicht in einfachen kleinen Hütten untergebracht, sondern in geräumigen Appartements in einem Wohnkomplex direkt auf dem Zeltplatz. Wir trugen Tische, Stühle, Geschirr und Besteck aus den drei Appartements in das geräumigste zusammen und ließen es uns dort richtig gut gehen. Auf der ganzen Veranstaltung kam niemand der Zelter mehr auf die Idee die Hotelschläfer als Weicheier zu bezeichnen…

Herrliche Winterlandschaft auf dem Staller SattelDas Frühstück hatten wir trocken gemeistert, doch der strömende Regen ging weiter. So wollte keiner auf die geplante Dolomitentour gehen. Wir beschlossen daher den Start auf 12 Uhr zu verlegen und eine halbtägige Runde nach Österreich zu tätigen. Tatsächlich hörte der Regen bis zum Mittag auf, und wir konnten im Trockenen - wenn auch auf nassen Straßen - zum berühmten Staller Sattel starten. Berühmt, weil hier Einbahnverkehr herrscht. Von jeder Seite kann man immer nur 15 Minuten pro Stunde fahren - dann allerdings ohne Gegenverkehr. Für eine Überraschung sorgte der frisch gefallene Schnee ab einer Höhe von 1800 m. Wenigstens war die Fahrbahn geräumt und abgestreut. So fanden wir uns auf dem Pass in 2052 m Höhe in einer wunderschönen Winterlandschaft wieder. Da gerade die Sonne schien, waren die Temperaturen auch noch etwas verträglich. Das änderte sich, als wir durchs liebliche Defereggental nach Osten Richtung Lienz fuhren. Die Kälte kroch bei Temperaturen unter 10° langsam durch die Klamotten - hatte doch niemand seine Winterausrüstung dabei. Erst auf der österreichischen Seite des Pustertals gab es längere sonnige Abschnitte - rechtzeitig zum Einstieg der Pustertaler Höhenstraße. Hierbei handelt es sich um ein kurviges Sträßchen auf dem Südhang über dem Tal mit wunderschönen Aussichten. Da es mittlerweile trocken war, konnten wir so richtig den Kurvenerlebnissen frönen. Nach der Rückkehr rückte gleich ein Teil in die Sauna ein. Ein paar Hartgesottene plantschten bei ca. 15° Außen- und 25° Wassertemperatur im Swimming-Pool. Fürs draußen Sitzen war es abends zu kalt. Deshalb rückten wir wie selbstverständlich in das Appartement unserer Freunde ein, kochten uns richtig feine Sachen und feierten noch bis weit in die Nacht hinein. 

Dienstag, 31.8.

Weniger herrliche Winterlandschaft auf dem Penser JochIrgendwie kommt uns das bekannt vor: Die ganze Nacht regnete es in Strömen. Nur anders als gestern goss es am Morgen nicht mehr so. Natürlich frühstückten wir wieder alle im Appartement. Der Start erfolgte heute planmäßig um 10 Uhr bei leichtem Regen. Deshalb verschoben wir abermals die Dolomitenrunde und nahmen uns heute das Penser Joch (2211 m) vor. Während des Regens wollten wir die weniger interessante Passage durchs Pustertal zurück und zum Einstieg nach Sterzing fahren. Nach einer Kaffeepause dort ließ zwar der Regen nach. Aber wir konnten vom Tal aus gut sehen, dass wir wieder über die Schneegrenze kommen würden. Gespannt starteten wir den Aufstieg. Die Kurvenerlebnisse hielten sich wegen den nassen Straßen in Grenzen. Dafür gerieten wir in dichte Wolken, so dass wir den Schnee kaum sehen konnten. Die Straßen waren wenigstens frei. Auf dem Pass war es bei knapp 0° richtig ungemütlich: Neblig, windig, nasskalt und überall Schnee. Beim Abstieg Richtung Bozen dann die absolute Überraschung: Innerhalb von 10 km riss die Wolkendecke vollständig auf, und wir fanden uns in einer Bilderbuch-Alpenlandschaft wieder bei Sonne satt und über 20°! Die Stimmung war unbeschreiblich. Schnell entledigten wir uns der Regenklamotten und der warmen Pullover. In Bozen hatten wir gar 25° - so was gibt’s wohl nur in den Alpen. Nachmittags war unser erster Abstecher in die Dolomiten geplant, und dort wurde es gleich wieder frisch. Bereits auf unserer Pause zum Grödner Joch (2121 m) wurden wieder die Pullover ausgepackt, und oben wehte uns bei 6° ein kalter Wind um die Nase. Allerdings schien die Sonne, und wir wurden mit fantastischen Aussichten und einer ersten „richtigen“ Kurvenorgie belohnt. Abends wurde wie schon am Tag davor im Appartement gegessen und gefeiert. 

Mittwoch, 1.9.

Fantastische Aussicht vom Valparola nach NordenDas schöne Wetter hatte sich nun endlich durchgesetzt. Kein Wölkchen war am Himmel zu sehen. Dafür war es nachts mit 1° bitterkalt. Manche der Zelter mussten frieren. Natürlich war es nun zu kalt um im Freien zu frühstücken. Aber wir hatten ja die Lösung :-)

Also heute nichts wie los in die Dolomiten. Zuerst ging es in die Nähe der „Drei Zinnen“ zu einer Fotopause. Da ließ sich schon feststellen, dass die Luft nach dem vielen Regen unglaublich klar war. Die Farben leuchteten wie in einem Bilderbuch. So bekommt man die Alpen wohl nur selten zu sehen. Über Cortina d‘Ampezzo fuhren wir zum Paso Giau (2238 mm) und durften eine Kurvenorgie erleben, die die gestrige locker in den Schatten stellte. Die Ersten machten schon Erfahrungen mit ihrer Reifenhaftgrenze - Gott sei Dank ohne Stürze. Über Staulanza (1671 m) und Duran (1601 m) ging’s durch die südlichen  Dolomiten nach Agordo, wo wir nach Norden wendeten und über den Falzarego (2105 m) wieder auf die große Dolomitenrunde kamen. Ein absolutes Highlight war die Aussicht vom Valparola (2157 m) nach Norden - ein Panorama wie aus dem Poster. Nach gefühlten 1000 Kurven kamen wir glücklich auf dem Zeltplatz an. Den perfekten Tag krönten ein gutes Abendessen auf dem Zimmer und anschließende Festivitäten… 

 

Donnerstag, 2.9.

Es war nachts wieder saukalt - mit 0° und Raureif auf den Autoscheiben. Der erste Zelter musste gesundheitsbedingt in eines der Appartements übersiedeln… Aber die Sonne schien ohne Unterlass, so dass wir frohgemut zu unserer zweiten Dolomitenrunde starteten.

Gletscher und See auf dem Fedaia-PassDas erste Highlight war der Pordoi - mit 2239 m höchster Pass der berühmten „Sella-Runde“. Nach 33 angenehmen Kehren erholten wir uns erst mal vom Kurvenrausch auf der Passhöhe. Kaum wieder im Tal ging’s den relativ unbekannten Fedaia hoch (2057 m), der weniger durch Kurvenorgien als durch eine Wahnsinns-Aussicht auf einen Gletscher und den Fedaia-Stausee besticht. Und weil’s so schön war, fuhren wir gleich danach die 29 Kehren der Westseite des Giau hoch und wieder runter nach Cortina. Es war ein Auf und Ab auf einer derart kurzen Strecke, wie wir es wohl noch nie erlebt haben. Mehrfach kündigten sich Reifenhaftgrenzen durch schwammiges Verhalten oder leichte Ausrutscher an! Fast schon im Schwindelzustand kehrten wir in der Fußgängerzone von Cortina in einem Eiscafé ein. Das war sozusagen der kulturelle Teil der Tour: „Schickeria schauen“. Und wie es der Zufall wollte, streiften die Fahrzeuge einer Oldtimer-Rallye mehr oder weniger unsere Untertassen… Ein weiterer perfekter Tag war fast zu Ende.

Da die Runde heute nicht so lang war wie gestern, hatten wir noch Zeit bis zum Abendessen. Aufgrund der Temperaturen von knapp über 20° konnten wir zum Abschlussbier bei den Zelten endlich unsere Sommerklamotten auspacken und noch ein paar Runden im Swimming-Pool drehen. Die Köche und Hotelschläfer hatten heute „frei“. Wir gingen zu Fuß ins Dorf und verbrachten den letzten Abend in einem Restaurant mit fleischlicher Nahrung. 

Freitag, 3.9.

Letzter alpiner Eindruck auf der Mittagspause bei Innsbruck

Die Temperaturen waren nun wieder im üblichen Rahmen mit ca. 10° nachts. Dafür war es etwas bewölkt, aber trocken. Zum Frühstück im Freien rafften wir uns aber nicht mehr auf…
Nach dem letzten Essen auf dem Zimmer räumten wir die Möbel und das Geschirr wieder in die anderen Appartements zurück und begaben uns auf den Heimweg. Das Schöne war dieses Mal, dass immerhin 8 Teilnehmer bis nach Augsburg zu-sammen fahren konnten. Auf diese Weise ging die gemeinsame Veranstaltung also noch bis zum späten Nachmittag. Das Wetter war angenehm. Regen hatten wir keinen mehr. 

Fazit: 

Auch unsere „alten Hasen“ mussten bekennen: So viele Kurven/Pässe auf einer Fläche wie die der Dolomiten gibt es kein zweites Mal in den Alpen. Kein Wunder, dass die Region so beliebt ist. So viele Markierungsnoppen an den Reifenhaftgrenzen haben wir wohl noch nie verloren…

Eine wichtige „gesellschaftliche Umwälzung“ hat sich vollzogen: Keine wagte mehr die Hotelschläfer als Weicheier zu bezeichnen. Die Vorzüge wurden dieses Mal so deutlich wie noch nie. Im Ernstfall hat man halt doch sein warmes Plätzchen :-) Und vielleicht sollten wir nächstes Jahr wieder in etwas tieferen Gefilden zelten gehen…

Organisation: Georg Spindler

Fotos: Peter Göbelt, Mark Tschumper, Frank Kuhn, Maria Cordes, Henry Namsler, Michael Franken

Video: Anton Köpper

 

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Und hier gibts noch ein kurzes Video auf dem Passo Giau:

https://www.youtube.com/watch?v=KQnR4igFzXU