Veranstaltungsberichte

Alpentour Kärnten 28.8. - 2.9.2022

 kae Ploecken

Samstag, 27.8.2022

Irgendwo hatten wir das doch schon einmal: Wochenlange Hitzewelle mit Sonnenschein ohne Ende (Sommertreffen 2008). Aber als wir uns aufmachten, war es vorbei mit dem schönen Wetter. kae IBergJe nachdem, aus welcher Richtung die Teilnehmer der Alpentour 2022 kamen, gerieten sie in mehr oder weniger heftige Regengüsse. Die ersten 9 Transalper sammelten sich bis zum Abend in einer Pension bei Irschenberg unweit der A8 München-Salzburg. Es war die erste Alpentour seit 2019, und von dem Wetter wollten wir uns nicht die Laune beeinträchtigen lassen. Wir aßen in der überdachten Terrasse und hatten wie immer einen interessanten Abend. Von den Neunen waren immerhin vier noch auf keiner Alpentour dabei. Das sorgte natürlich für zusätzlichen Gesprächsstoff.

Sonntag, 28.8.2022

Bei der Abfahrt war es trübe, aber regnete nicht. Das war gut so, denn wir durften gleich das erste Highlight erleben: Die berühmte Motorradstrecke über das Sudelfeld. Der Pass ist für Voralpenverhältnisse mit 1123 m schon recht hoch. Das Wetter hatte hier insofern was gutes, als die sonst sehr stark befahrene Straße heute menschenleer war. Umso besser konnten wir die Kurverei genießen. Wir blieben auf Landstraßen Richtung Osten, umfuhren Kufstein im Norden und waren in Österreich schon in Saalfelden angelangt, als zwei Dinge passierten:kae SFelden

  1. Es fing zu schütten an.
  2. Wegen einer Radrennveranstaltung war die Bundesstraße nach Bischofshofen für mehrere Stunden gesperrt - ebenso die Alternativroute über Zell am See.

Es blieb somit keine andere Chance als 70 km nach Norden bis nach Salzburg zu fahren. Der Umweg betrug über 100 km. Die spinnen, die Österreicher… Immerhin ließ der Regen ab Salzburg nach, und die verlorene Zeit holten wir teilweise rein, indem wir dann nur noch Autobahn fuhren. Es hätte heute eine reine Landstraßen-Etappe werden sollen… So um 18 Uhr kamen wir auf dem Zeltplatz in St. Georgen im Gailtal, ca. 30 km westlich von Villach, an. Es wurden 2 Mietwohnwagen und 1 Ferienhaus bezogen und 3 Zelte aufgebaut. Alle unsere Unterkünfte waren mehr oder weniger beisammen. Abends ging es ins überraschend gute Zeltplatz-Restaurant. Dabei stieß noch unser letzter Kamerad zu uns, womit wir mit nunmehr 10 Teilnehmern die höchste Beteiligung auf einer Alpentour seit 2015 aufweisen konnten!

Montag, 29.8.2022

Der Tag begann schon mal richtig gut mit viel Sonnenschein. Zum Frühstück fuhren alle ins 10 km entfernte Arnoldstein in ein nettes Bäckerei-Café. Wir saßen im Freien, wo es begann angenehm warm zu werden. Zur ersten Tour ging es zunächst auf der Autobahn komplett um Villach herum, und dann am Nordufer des Ossiacher Sees entlang - bei schönstem Postkartenwetter. Kurz danach erfolgte in Feldkirchen  der Schwenk nach Norden zur Turracher Höhe (1763 m). Hier ereilte uns ein seltsames Phänomen: Ein scheinbarer massiver Leistungsverlust bereits knapp ab 1200m. Wir mussten ordentlich am Gas drehen um vernünftig voranzukommen! Der Grund dafür lag allerdings nicht an der dünnen Luft, sondern an der Steigung von bis zu 23% über einige Kilometer. Da man die Kurven z.T. mit 80 km/h nehmen konnte, und es auch längere Geradeaus-Stücke gab, waren die Steigungen voll zu spüren. Die Fahrerei machte dennoch mächtig Spaß. Ebenso Spaß machte der Abstieg ins Murtal. Hier erwartete uns eine Serie von Serpentinen, die man in der vollen Schräglage gleichmäßig mit 80 km/h befahren konnte.

kae NockalmDer nächste Höhepunkt des Tages war die Nockalm-Straße. Dazu ging es westlich der Turracher Straße nach Süden. Das Wetter war bis dahin perfekt: Viel Sonne und nicht allzu heiß. Die Nockalm-Straße ist mautpflichtig. Allerdings ist sie ihr Geld wert, zumal wir aufgrund Nachsaison und unklarem Wetter kaum Verkehr hatten. Die 52 nie wirklich engen Kehren auf 34 km konnte man bequem im 2. Gang fahren. Es fand wieder mal eine unserer beliebten Kurvenorgien statt. Der höchste Punkt der Stecke lag bei 2049 m. Hier konnte man jedoch schon sehr deutlich die dunklen Wolken sehen, die überall um uns heranzogen. Kaum im Tal angekommen, fing es wieder zu schütten an - Glück gehabt… Die letzten 50 km wechselten sich Regengüsse mit sonnigen Abschnitten ab. Abends auf dem Zeltplatz war es dann wieder trocken, und wir konnten im Freien die Wurst- und Käsespezialitäten verzehren, die wir während einer Regenphase unterwegs gekauft hatten.

Dienstag, 30.8.2022

kae FruehstueckDer Tag begann heute wie der gestrige mit viel Sonnenschein. Mit den gestern eingekauften Lebensmitteln und den frischen Brötchen konnten wir uns nun ein ausgiebiges Frühstück im Freien zwischen unseren Unterkünften gönnen. Bald ging es los zu Tour 2 in Richtung Süden. Laut Programm sollte es die anspruchsvollste werden, was nicht übertrieben war…

Auf dem Nassfeld-Pass überquerten wir die Grenze nach Italien. Ist halt der Vorteil, wenn man nahe dem Dreiländereck residiert. Die Strecke war ein guter Einstieg für den Tag. Im Tal der Fella angekommen wurde es schon knackig heiß. Es ging zügig auf der fast leeren Bundesstraße an der Autobahn entlang. So machte uns die Hitze nicht allzu sehr zu schaffen. Die erste Pause stand dann in Tolmezzo an - stilecht an einer Bar.

kae ZoncolanHier machten wir unseren Schlenker nach Norden zurück - und das Abenteuer begann. Es galt den Zoncolan zu bezwingen. Die Westrampe mit bis zu 22% Steigung ist fast so steil wie die Turracher Höhe. Nur war dies hier ein einspuriges Sträßchen - bei gelegentlichem Gegenverkehr. Mit dem zweiten Gang in die Kehren war vielfach nicht möglich. An diversen ausgesetzten Stellen kam man wirklich nur mit wenigen Zentimetern Abstand am Gegenverkehr vorbei. Auf der Passhöhe von 1729 m mit ihrem atemberaubenden Panorama war die Pause dann mehr als angebracht. Die Abfahrt nach Osten war nun wesentlich einfacher. Wir dachten, damit hätte es sich nun mit aufregenden Passagen. Schließlich war nur noch der 1357 m hohen Plöckenpass vor uns. Doch viele der Linkskehren gingen in ihrem Zenit - also wir in der größten Schräglage - in unbeleuchtete Tunnels über. Das sorgte dann doch für etwas Herzklopfen…. Von dem Schreck erholten wir uns dann in einem Restaurant auf der Passhöhe - direkt neben unseren vorbildlich aufgereihten Transalps. Danach ging es zurück durchs Gailtal mit einem Einkaufsstop in Hermagor. Abends gab es wieder Wurst und Käse im Freien.

Mittwoch, 31.8.2022

Das mit dem Wetter hätte ruhig so bleiben können wie in den letzten beiden Tagen. Aber daraus wurde leider nichts. Schon in der Nacht fing es zu regnen an und sollte auch den ganzen Tag nicht mehr aufhören. Wir frühstückten im Vorzelt eines der Wohnwagen, wo zehn Personen  gerade so reinpassten. Mit dem schlechten Wetter und dem ganztägigen Aufenthalt auf dem Zeltplatz wollten sich aber nicht alle abfinden. Immerhin 6 Unverdrossene machten sich per Autobahn auf ans 150 km entfernte Mittelmeer. Die Tour war ursprünglich für morgen geplant. Und siehe da: Nach einer Stunde im strömenden Regen riss bei Udine der Himmel auf. Bis wir in Grado an der Adria ankamen, schien die Sonne bei lieblichen 25°.

kae GradoEs setzte absolutes Urlaubs-Feeling ein. Im Stadtzentrum kehrten wir erst mal in eine Pizzeria ein und ließen es uns gut gehen. Danach ging es an den Strand, wo immerhin 4 sich ins angenehm warme Wasser stürzten - Urlaub pur. Nach dem Aufenthalt in einer Strandbar und einem Eiscafé fuhren wir dann auch wieder zurück - nun über Slowenien auf Landstraßen. Die Bundesstraße von Nova Gorica über Kobarid und Bovec  bis an den Predil-Pass ist 88 km lang und führt immer entlang der Grenze zu Italien. Sie ist sehr schön zu fahren und wenig frequentiert. Das Wetter spielte auch die meiste Zeit mit. Erst auf den letzten 30 km ereilte uns des Regengebiet, das sich den ganzen Tag im Gailtal festgesetzt hatte. Für 6 von uns ging ein perfekter Urlaubstag zu Ende.

Donnerstag, 1.9.2022

Der letzte Tourentag war angebrochen. Es regnete morgens noch ein wenig. Doch die Wolken rissen langsam auf. Auch unsere Gruppe verkleinerte sich. Die drei Zelter brachen buchstäblich ihre Zelte ab, da sie aus den verschiedensten Gründen heim mussten. Der Rest brach zur „klassischen Runde“ ums Dreiländereck auf. Beim Wurzenpass mit seine 18% Steigungsmaxima war es noch bewölkt, aber trocken. Beim Vrsic-Pass kam dann endgültig die Sonne wieder raus. Interessant ist dass sich der Fahrbahnzustand auf der Nordrampe seit unserer ersten Befahrung 1994 nicht verändert zu haben schein. Pflastersteine nur in den Kehren sind ja wirklich kreativ. Etwas nerviger war hier schon der Verkehr, der „Klassiker-typisch“ doch deutlich dichter war, als wir es in der ganzen Woche gewohnt waren.  Die Südseite war vom Belag dann deutlich besser. Kurz vor Bovec stand die erste Pause an, bevor es zum Highlight der Dreiländerrunde ging - dem Mangart.

kae MangartDie asphaltierte Straße führt bis auf 2055 m hinauf und endet dort. Sie ist mautpflichtig, aber ihr Geld wert. Die Aussichten sind hochalpin, die Trassenführung abenteuerlich. Einen Adrenalinkick verpassten uns die unbeleuchteten Tunnels, die relativ lang sind. Sie sind zwar gerade, so dass man auf den Ausgang „zielen“. Aber die ersten 100 m sieht man den Fahrbahnrand mit der Tunnelwand nicht… Das letzte Stück war heute leider wegen Erdrutsche gesperrt. Aber die Eindrücke bis dahin entschädigten komplett.

Ab Bovec waren wir ja die gestrige Strecke gefahren - nur jetzt bei sonnigem Wetter - ebenso die italienische Seite mit dem Predil-Pass. Und weils so schön war, machten wir im Tal einen Westschlenker über den 1195 m hohen Nevea-Sattel. Man kann hier wirklich von einem wunderschönen Ausklang sprechen. Über das Fellatal ging es auf der Bundesstraße wieder zurück. Heute Abend hatte das Camping-Restaurant wieder offen, was wir ausgiebig ausnutzten.

Freitag, 2.9.2022

Das war es leider nun wieder. Die bestbesuchte Alpentour seit 2015 ging zu Ende. Die Letzten räumten Wohnwagen und Sommerhaus aus und begaben sich zunächst ins Bäckerei-Café in Arnoldstein zum Frühstück. Danach fuhren alle z.T. in Gruppen auf den Rückweg - bei nunmehr schönstem Sonnenschein.

Organisation: Georg Spindler

Bilder: Frank Doll, Reinhold Grill, Joachim Seith

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