Island 29.7. - 19.8.2017 Drucken



Samstag, 29.7.2017

Seit dem letzten Abenteuertrip der Transalpfreunde sind gerade mal vier Jahre vergangen. Und schon begab sich das Adven-ture-Team wieder auf große Reise. Nach Marokko 2006 und Albanien 2013 zog es uns dieses Mal in den hohen Norden, dort wo die meisten von uns noch einen großen, weißen Fleck auf ihrer Tourenlandkarte haben - nach Island, 400 km vor der Küste Grönlands.

Aufstellung zum Start in Weinheim bei HeilbronnWie bei den letzten beiden Touren waren es wieder 6 Transalper, und wie beim letzten Mal wieder mit ei-ner Frau dabei. Ein grund-sätzlicher Unterschied be-stand allerdings: Wir hat-ten zwei vierrädrige, all-radgetriebene Service-Fahrzeuge dabei. Eins die ganze Strecke und ein Mietwagen auf Island. Mit den Autofahrern, waren wir 6 Männer und 2 Frau-en. Das hat natürlich nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Pro-fessionalität. Die Rallye-Profis machen das auch so ;-) Am ersten Tag fuhren wir über eine Autobahn-Landstraßen-Kombination bei angenehmem Sommerwetter bis nach Northeim kurz vor dem Harz, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Die ganze Tour über wollten wir übrigens in Zelten übernachten. Das war in Island eine Frage des Preises…


Sonntag, 30.7.2017

Pause am nördlichen AußenpostenNach dem Frühstück bei den Zelten ging es bei sonnigem Wetter über schöne Landsträßchen bis Hildesheim, bevor wir auf die Autobahn wechselten und unserem nördlichsten Außenposten in Burgdorf bei Hannover einen Be-such abstatteten. Hier gab es einen Mittags-Snack. Und ab hier sind keine Transalpfreunde mehr an-sässig. Auf der B3 durch-querten wir die Lüneburger Heide, um dann eine fast 100 km lange Baustellen-orgie auf den Autobahnen vor und nach Hamburg zu begehen. Erst bei Neu-münster hörten die Bau-stellen auf. Dafür erwischte uns ein kurzer, aber heftiger Regenguss. Kurz nach der dänischen Grenze bei Flensburg kehrten wir in der  berühmtesten dänischen Hot Dog-Bude an der Ostsee ein. Hochinteressant, wie viele Variationen dieses Nationalgerichts es gibt. Nicht weit davon schlugen wir dann unser Zeltlager für die nächste Nacht auf.


Montag, 31.7.2017

Typische Zeltplatzszene mit dem Aufklappzelt am MercedesHeute blieben wir ausschließlich auf Autobahnen. Es galt schließ-lich, das dänische Festland von Süd nach Nord komplett zu durch-queren. Die Landschaft war zwar nicht ganz flach, aber ziemlich un-spektakulär. Vom Meer war nur kurz bei der Überquerung des Vej-le-Fjords was zu sehen. Mittags pausierten wir - ganz ungewöhnlich - in der Firmenzentrale eines inter-nationalen SAP-Partners, bei dem einer unserer Teilnehmer beschäf-tigt ist. Immerhin nahm sich der Vorstandsvorsitzende persönlich die Zeit mit uns den Mittag zu ver-bringen, wozu er köstliche Snacks aufgefahren hatte. Wenn wir uns weiter so durchfuttern, wird das ein günstiger Urlaub… Kurz vor Hirts-hals erwischte uns noch mal ein anständiges Gewitter. Die Zelte mussten zum Teil im Regen aufgebaut werden. Aber bald kam wieder die Sonne raus, und wir konnten noch mal richtig schön im Warmen die bestellten Pizzas futtern.


Dienstag, 1.8.2017

Beeindruckende Warteschlange vor der FähreWir brachen die Zelte oh-ne Frühstück ab, denn man sollte frühzeitig am Fährhafen sein - hieß es. Dort angekommen stellte sich aber alles als halb so wild heraus. Wir konnten noch mal ausgiebig früh-stücken an einer Tankstel-le 2 km entfernt. Am spä-ten Vormittag checkten wir mit Motorrädern und Auto in die Fähre ein und bezo-gen die beiden 4-Bett-Zimmer. Bei nun schön-stem Sonnenschein und ruhiger See legte das Schiff ab. Das Leben an Deck verlief beschaulich. Es gab verschiedene Bars und Aufenthaltsräume, ein Restaurant und natürlich einen Duty-Free-Shop. Die Preise waren deutlich über deutschem Niveau. Aber man konnte wirklich jeden Kaffee und jeden Schokoriegel per Kreditkarte zahlen. Ein Teil von uns gönnte sich noch am späten Abend ein Bad im Hot Pot im Heck auf dem Oberdeck des Schiffes. Es sollte ein kleiner Vorgeschmack auf Island werden.


Mittwoch, 2.8.2017

Passage durch die Färöer-InselgruppeDen ganzen Tag sollten wir auf dem Schiff verbringen. Morgens passierte die Fähre die Shetland-Inseln. Das Meer war etwas unru-higer als gestern, aber noch bei weitem nicht so schlimm wie erwar-tet. Das teure Frühstücksbuffet war ganz akzeptabel. Die meiste Zeit chillten wir herum. Am späten Nachmittag legte die Fähre in Thorshavn auf den Färöer-Inseln an. Kaum zu glauben, dass auf die-ser wirklich abgelegenen Insel-gruppe ca. 50000 Menschen leben. Keine Bäume, nur grasbewachse-ne Berge. Das Städtchen könnte auch irgendwo auf dem Festland sein. Das Wetter ist fast immer un-beständig, und ewig pfeift der Wind. Die spätere Passage zwischen den Inseln durch, wo man den Bergen greifbar nahe kam, war äußerst beeindruckend. Es wurde merklich später dunkel, so dass man die Fahrt durch die Färöer voll genießen konnte. Bald ging es wieder hinaus aufs offene Meer.


Donnerstag, 3.8.2017

Es geht gleich richtig los mit den traumhaften Landschaften.Nun war es endlich so-weit: Die Ankunft auf Is-land stand bevor. Da man die Uhr um zwei Stunden zurückstellen muss, war es früher Vormittag, als unser Team die Fähre verließ. Der Hafen Seydis-fjördur im Osten der Insel war am Ende eines Fjor-des, umrahmt von steilen Bergen. Die Wolken hin-gen tief und es war a…kalt. Eine lange Karawane von Autos und Motorrä-dern wälzte sich über ei-nen 680 m hohen Pass zum Städtchen Egilssta-dur, mit 2000 Einwohnern das Zentrum Ostis-lands…. Hier konnten wir Proviant einkaufen, Geld holen und den Mietwagen entgegennehmen, in dem auf der Tour Zelte und Schlafsäcke transportiert werden sollten. Schon bei der Fahrt hierher konnte man fantastische Aussichten genießen, wie man sie vielleicht eher in Kanada verorten würde. Die Tour verlief zunächst nach Süden, immer nicht allzu weit vom Meer entfernt. Und recht schnell kam man auf die isländischen Gravel-Roads - nicht aspahltierte Straßen, aber mit festem Untergrund. Am Meer entlang gings dann an der asphaltierten Ringstraße Nr. 1, die um ganz Island herumführt. Die Aussichten waren so fantastisch, dass man hätte alle 5 Minuten anhalten, um zu fotografieren. Am Abend in Höfn (1600 Einwohner) am Meer schlugen wir unsere Zelte auf und kochten zum ersten Mal selbst und so richtig gut.


Freitag, 4.8.2017

Unsere Transalps vor einem GletscherseeDas Wetter war wie ge-stern auch unbeständig und kalt, die Temperatu-ren einstellig. Wir kamen nun an den mit über 8000 qkm größten Gletscher Europas, den Vatnajökull. Zum Vergleich: Der größte Alpengletscher umfasst 80 qkm… Man konnte viele Stunden entlang fahren und immer wieder die Gletscherzungen sehen, die teilweise bis ans Meer ragten. Hier besuchten wir den ersten Hot Spot, ei-nen Gletschersee, in dem viele frisch gekalbte Eis-berge schwammen. Ein faszinierendes und unwirkliches Erlebnis. Man traf aber auch auf Tausende von Touristen aus aller Welt. Die Isländer scheinen immer mehr das Kapital ihrer Natur zu erkennen und werben zunehmend dafür. Schließlich entkommen Sie damit erfolgreich ihrem Defizit, das sie aufgrund der Finanzkrise eingefahren haben. Das Gute - noch: Der Eintritt zu den ganzen Sehenswürdig-keiten ist kostenlos. Im Laufe des Tages klarte das Wetter auf, und die Sonne kam raus. Die Temperaturen wurden zweistellig… Unser Lager schlugen wir Kirkjubæjarklaustur (140 Einwohner) auf und gingen erstmals in Island ins Restaurant essen. Die Preise raubten einem wirklich den Atem. Aber wenigstens war das Essen gut. Abends feierten wir wieder im Mannschaftszelt, das am Mercedes G ausgeklappt war - tief vermummt und in Decken gehüllt…


Samstag, 5.8.2017

Schotterpiste im SüdenDie Zelte blieben heute stehen. Grund: Wir wollten die berüchtigten Pisten im Landesinneren fahren - natürlich ohne Gepäck. Und das Wetter spielte auch mit: Es schien die Sonne. Die Pisten waren zunächst halb so wild, da nur wenig loses Geröll. Es machte richtig Spaß. Aber bereits die erste Fluss-durchfahrt - die wir meis-terten - zeigte auf, wo das Problem war, nämlich das tiefe Wasser. Das war zwar damals in Albanien noch tiefer. Nur dort stand es. Hier führten die Flüsse ständig neues, grobes Ge-röll heran. Das wäre auch schon trocken kaum zu bewältigen gewesen. Und als wir sahen, wie sich bei der zweiten Furt selbst Allrad-getriebene Autos schwer taten, ließen wir es sein und drehten um. Schließlich riskierte man bei einem Sturz im Wasser einen kapitalen Motorschaden. Damit war der Tag aber nicht gelaufen. Wir tourten noch einige Stunden auf Furt-freien Schotterpisten im Landesinneren herum und konnten da die kargen und weiten Landschaften - bei nunmehr wechselhaftem Wetter - genießen.


Sonntag, 6.8.2017

Der erste Wasserfall auf Island

Morgens trieb uns die Hitze aus den Zelten. Die Sonne knallte so richtig drauf. Allerdings schlug das Wetter um die Mittagszeit wieder um. Es regnete, und die Temperaturen fie-len wieder. Wenigstens konnten wir noch bei Sonne die Lava-Wüste ge-nießen, die sich 20 Kilometern lang am Meer erstreckte. Sie war 1783 bei einem der verheerendsten Vul-kanausbrüche der letzten 1000 Jah-re entstanden und bedeckt nun ein Gebiet von über 500 qkm. Der näch-ste Hot-Spot bei Vik (320 Einwoh-ner) war ein Basalt-Felsen direkt am Meer, wo Hunderte Papageientau-cher brüteten, und nur wenige Meter über den Köpfen von ebenso vielen Touristen hinwegflogen. Wieder so eine Szene, die man aus vielen Do-kumentarfilmen kennt, und nun end-lich selbst erleben konnte. Für den Abend war das erste Lager in der Wildnis im Landesinneren in Landmannalaugar (0 Einwohner) geplant. Es regnete ohne Unterlass, und es war a…kalt. Man sah kaum was von der Landschaft. Wenigstens war die Piste für die Transalps gut fahrbar. Und dann diese unwirkliche Szene: Hunderte von bunten Zelten in dieser unwirtlichen Landschaft. Und 200 m vor dem Lager eine tiefe Furt. Also Motorräder davor abstellen, alle Koffer in die beiden Autos reinstopfen und den Rest über einen Steg zu Fuß gehen. Natürlich ließen wir den Abend wie gewohnt bei richtig gutem selbstgemachtem Essen ausklingen.


Montag, 7.8.2017

Unwirkliche Szene in fantastischer WildnisZum Frühstück regnete es zwar immer noch leicht. Aber die Wolken rissen mehr und mehr auf. Viele der Zelter machten sich in einer endlosen Karawane daran, den ak-tiven Vulkan Torfajökull zu bestei-gen. Einige von uns erkundeten ebenfalls zu Fuß die Umgebung. Der Rest legte sich in den ersten Hot Pot unserer Tour, ein Teich, der von einer heißen Quelle gespeist wird. Ein wirklich angenehmes Er-lebnis der besonderen Art. Erst um die Mittagszeit brachen wir auf. Bei der Weiterfahrt in die Zivilisation zurück kam die Sonne vollends raus, und wir konnten die traumhaften Wüstenlandschaften bewundern, von denen wir gestern kaum was gesehen haben. Überall schwarzer Sand und Landschaften wie aus einem Science-Fiction-Film. Aufgrund der bunten Felsen wird die Region als eine der schönsten Islands bezeichnet. Unser nächstes Lager schlugen wir bei sonnigem Wetter im isländischen Tiefland in Fludir (430 Einwohner) auf.


Dienstag, 8.8.2017

Transalper als Bustouristen in ReykjavikWir waren nun kaum mehr zwei Stunden von Reykjavik (160.000 Einwohner) entfernt. Das war gut so, denn kaum gestartet schlug das zunächst sonnige Wetter wieder um. Wir gerieten auf dem Gebirgs-zug vor der Hauptstadt voll in den Regen, und es war wieder saukalt. Doch dann ereilte uns eine Art Kul-turschock. Kaum eine Woche in der Wildnis waren wir Städte dieser Größe und solche dichtbesiedelten Regionen gar nicht mehr gewohnt. Immerhin leben 2/3 der isländi-schen Bevölkerung hier im näheren Umkreis. Abends wollten wir ins Stadtzentrum. Nach Kälte und Näs-se hatte aber niemand mehr Lust auf Motorrad fahren. So fuhren wir alle mit dem Bus, zumal es immer noch regnete. Die nächste Überra-schung war die Innenstadt. Jede deutsche Kreisstadt könnte da mit-halten, so provinziell gings da zu. Ziel für heute Abend war das Hardrock-Café. Bei gutem und sauteurem Essen ließen wir es uns in diesem kultigen Ort gutgehen.


Mittwoch, 9.8.2017

Islands höchstes Bauwerk, der DomDie Motorräder sollten heute den ganzen Tag stehen bleiben. Sight-seeing in der Hauptstadt war ange-sagt - natürlich wieder mit dem Bus. Wenigstens hatte der Regen nachgelassen. Das Kulturpro-gramm startete am Hafen im Hei-matmuseum. Danach stärkten wir uns in einer Hafenkneipe. Weiter ging es über die Einkaufsmeile, Souvenirs kaufen, Postkarten ver-senden usw… Das Highlight war die Hallgrimskirche, die zugleich das höchste Gebäude Islands ist. 1986 fertiggestellt ist sie eine sehr gute Symbiose aus Gotik und mo-derner Architektur. Das wars dann auch schon mit der Besichtigung. Von der Kirche aus wanderten wir die restlichen zwei Kilometer zum Zeltplatz zurück. Abends kochten wir uns wieder was Feines und ließen den Tag in der fröhlichen Runde ausklingen.


Donnerstag, 10.8.2017

So regnerisch uns die Hauptstadt empfangen hatte, so sonnig verabschiedete sie uns. Zunächst stand ein wunderschönes Stück der Westküste auf dem Programm. Wir fuhren dazu den Hvalfjördur Fjord entlang, bevor es zum zweiten Mal ins Landesinnere ging.

Unglaubliche Eindrücke auf der HochlandpisteAm Einstieg zum Hoch-land wartete mit dem Hraunfossen ein wirklich origineller Wasserfall auf - ohne Fluss! Das Wasser, das in den Wüsten der Hochebenen versickert, sammelt sich unterirdisch über einer undurchlässi-gen Schicht und tritt an vielen Stellen an den Hän-gen einfach wieder aus. Nach einer Kaffeepause waren wir wieder auf den geliebten Naturpisten und tourten westlich des Lang-jökull-Gletschers zwischen wahnsinnigen Gebirgspa-noramen und imposanten Fernsichten durch den Outback - und das alles bei schönstem Wetter. Der Langjökull ist mit 953 qkm der zweitgrößte Islands. Bis zum Abend verließen wir das Hochland wieder und fuhren zunächst ein Stück am zweitgrößtem See der Insel, den Pingvallavatn, entlang - von der Größe vergleichbar mit unserem Chiemsee. Unser nächstes Lager war in Laugarvatn (180 Einwohner) mit einem einzigartigen Blick auf den Vulkan Hekla, der zuletzt 2000 ausgebrochen ist.


Freitag, 11.8.2017

Ein weiterer sonniger Tag zeichnete sich ab. Der erste Programmpunkt war die berühmte Kontinentalspalte zwischen Amerika und Europa. Dazu fuhren wir ein Stück den Weg zurück bis fast an das Ufer des Pingvallavatn. So spektakulär, wie sie klingt, ist die Spalte aber nicht anzuschauen. Das meiste ist halt unterirdisch, und oben sieht man eine nur kleine Schlucht, wie es sie auch an diversen Stellen in Deutschland gibt.

Die Mutter aller Geysire...Die nächste Sehenswürdigkeit war dagegen schon imposanter: Der Strokkur Geysir. Hier fanden wir die Gegebenheiten vor, wie man sie aus vielen Island-Berichten kennt. Überall blubbert es aus heißen Quellen. Die Sensation ist der Gey-sir, der alle 10 Minuten eine bis zu 35 m hohe Wassersäule ausstößt. Natürlich sind drum herum Hun-derte von Touristen aus aller Welt versammelt um die Eruption zu fil-men. Mit diesen geologischen Highlights ging es gerade so weiter. Wenig später erreichten wir den bei Touristen ebenso beliebten Was-serfall Gullfoss, der einer der was-serreichsten Islands ist - hat fast schon was von Niagara. Ab da verließen wir wieder die Zivilisation und starteten unsere erste richtige Komplettdurchquerung des Hochlands von Süd nach Nord - 160 km Schotterpisten. Das Wetter spielte immer noch mit, wobei die Temperaturen nach und nach „kontinentaler“ wurden. Kaum mehr nötig zu erwähnen, was wir für phantastische Landschaften durchfuhren. Zwischen den Gletschern Langsjökull und Hofsjökull auf der halben Strecke schlugen wir wieder unser Lager auf, in einem Bereich mit heißen Quellen - natürlich mit dem obligatorischen Hot Pot, den wir ausgiebig nutzten.


Samstag, 12.8.2017

Der erste Blick morgens aus dem Zelt auf den HofsjökullDas dürfte mit wenigen Graden über 0 die kälteste Nacht gewesen sein. Im-merhin schien weiter die Sonne, und wir konnten den Blick auf die beiden Gletscher in vollen Zügen genießen. Nach dem ge-wohnt üppigen Frühstück im Mannschaftszelt - mit auf Anschlag brennendem Gaswärmer - ging die Tour weiter Richtung Norden. Es ist kaum vorstellbar, wie unbewohnt diese Re-gionen sind. Abseits des durchschnittlich 20 km breiten Küstenstreifens - auf dem ca. 600 m hohen Plateau - gibt es so gut wie keine Siedlungen, nur Wüste. Über 90% der Insel sind komplett unbewohnt. Und so fuhren wir weiter durch die einsame Straße am viertgrößten See - dem Blöndulön - vorbei nach Norden. Um die Mittagszeit war die Piste zu Ende und mündete in die N1, die isländische Ringstraße. An der Nordküste erreichten wir die zweitgrößte isländische Stadt Akureiri (17.000 Einwohner), wo wir uns mit dem Proviant für die nächsten Tage eindeckten. Gegen Abend trafen wir in Husavik ein. Das lag nun wirklich am offenen Meer, anders als die meisten anderen Dörfer an den Enden von Fjorden. Von hier sind es nur noch 300 km Meereslinie nach Grönland…


Sonntag, 13.8.2017

Zwei Buckelwale aus nächster NäheHeute blieben wir in Husavik und pflegten vormittags die Motorräder oder chillten herum - natürlich bei wunderbarem Wetter mit Tempera-turen, die an windstillen Ecken die 20°-Marke überschritten (!). Das sollte tatsächlich der wärmste Tag unseres gesamten Island-Aufent-halts bleiben. Der Hauptgrund hier zu bleiben war allerdings ein ande-rer: Eine Whale-Watching-Tour. In einem Fischkutter mit 70 anderen Touristen stachen wir in See. So lieblich die Sonne an Land schien, so stürmisch und frisch wurde es auf hoher See. Der Seegang war zudem so krass, dass das Boot in den Wellentälern komplett verschwand, man also von der Umgebung da nichts mehr sehen konnte. Hier waren die Tabletten gegen Übelkeit wirklich angebracht. Aber es lohnte sich. Zwei Gruppen mit je drei bis vier Buckelwalen - jeder so um die 15 m lang - konnte man relativ gut sehen: Heißt Rücken und Schwanzflossen. Das war nun mal ein einzigartiges Erlebnis. Einen etwas negativen Beigeschmack hinterließ das halbe Dutzend Touristenboote, das - wie unseres auch - den armen Tieren teilweise sehr nah an die Pelle rückte. Kaum vorstellbar, dass das denen gefällt. Man kann sich immerhin damit trösten, dass durch Wahle-Watching mehr verdient wird als durch den Walfang, und dies vielen dieser Meeressäuger das Leben rettet.


Montag, 14.8.2017

Der Zeltplatz mit der schönsten AussichtBei weiterhin sonnigem Wetter fuhren wir ein Stück an der Küste ent-lang und legten eine kurze Fotopause am nördlich-sten Punkt unserer Tour ein - nur noch wenige km bis zum Polarkreis. Im Landesinneren stand nun mit dem Detifoss die letzte Sehenswürdigkeit für die-sen Urlaub an - dachten wir. Der Wasserfall hatte es noch mal richtig in sich. Gemäß Volumenfluss und Fallhöhe handelt es sich hier um den leistungs-stärksten Europas. Ent-sprechend waren die Ein-drücke. Bis zum Ende der Tour war es nicht mehr weit. So beschlossen wir einen Abstecher an einen der weniger bekannten Ostfjorde nach Vopnafjördur (650 Einwohner) zu machen und dort unser vorletztes Nachtlager aufzuschlagen, auch wenn es dort nichts zu sehen geben sollte... Aber der Weiterweg sah auf der Karte ganz kurvig aus. Als wir jedoch am Campingplatz angekommen waren, waren wir überwältigt. Dieser war nämlich auf einer Anhöhe mit Blick auf den Fjord und die gegenüber liegenden Berge. Fast am Ende des Urlaubs erlebten wir nun das Lager mit der tollsten Aussicht. Und die Sonne schien ohne Unterlass.


Dienstag, 15.8.2017

Unerwartete Eindrücke auf der vorletzten PasshöheKaum hatten wir fast den gesamten Fjord umrundet, ging es die vor-letzte Passstraße der Tour, die Hil-darvegur, hoch - natürlich geschot-tert. Die Piste war ähnlich wie die meisten Hauptstraßen mit nur we-nig Schotter und sehr plan - eher Umbrail als Assietta. Aber dann die Aussicht auf der Passhöhe. Man stelle sich vor, die traumhafte islän-dische Landschaft - bei schönster Fernsicht: Meer, Berge, Gletscher wie vom Poster. Beim Abstieg war die Sicht leider durch ein Wolken-band, das wir passieren mussten, versperrt. Erst im Tal kam wieder die Sonne raus. Die Strecke verlief nun sehr geradlinig, was uns zu Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h verleitete. War eine sehr staubige Angelegenheit, weil wie überall in Island das Wasser sehr schnell in den Vulkanböden versickert, und es schon wenige Stunden nach dem dicksten Regen wieder staubt. 20 km vor Egilsstadir mündete die Piste wieder in die N1. Ab da ging es aber dann auf dem direkten Weg in dieses östliche Zentrum, wo am folgenden Tag der Mietwagen abgegeben werden musste. Bei Ankunft in der Stadt saßen wir ein letztes Mal bei Sonnenschein im Freien und tranken unseren Cappuccino (für 4,50 €). Hier sollten wir die beiden letzten Nächte auf Island verbringen.

Blick auf unser letztes Lager in Island

Für den letzten Tag waren Schotterausflüge in die nähere Umgebung geplant.


Mittwoch, 16.8.2017

Wir durften jetzt sieben Tage hin-tereinander Sonnenschein genie-ßen - eine für Island nicht unbe-dingt typische Situation. Aber damit war es nun vorbei. Heute sollte uns das nasskalte Wetter wieder einho-len. Der Himmel war komplett wol-kenverhangen und keine Änderung zu sehen. Es regnete mehr oder weniger den ganzen Tag. So richtig Bock in die Berge zu fahren hatte niemand mehr. Also schlugen wir auf dem Zeltplatz und im Städtchen die Zeit tot. Ein Teil holte den ent-gangenen Schlaf der feier-inten-siven vergangenen Nächte nach. Abends gings ein letztes Mal essen in ein Restaurant mit diesen Prei-sen, die einem die Schuhe auszogen.


Donnerstag, 17.8.2017

Letzter Landeindruck von Island

Der letzte Tag auf der Insel war an-gebrochen. Island verabschiedete uns ebenso nasskalt, wie es uns vor zwei Wochen empfangen hatte. Nunmehr wieder mit vollem Gepäck überquerten wir den Pass zum 20 km entfernten Fährhafen in Seydis-fjördur. Nach dem wie schon erwar-teten, komplizierten Einchecken in das Schiff nach Dänemark setzten wir uns erst mal zum Frühstück zu-sammen. Das war heute aus Zeit-gründen auf dem Zeltplatz ausge-fallen. Auch wenn das Wetter nun sehr unfreundlich aussah, wurde das Meer nach Verlassen des Fjor-des ähnlich "ruhig" wie auf der Her-fahrt. Der Bedarf an Reisetabletten hielt sich - bei den meisten - in Grenzen. Und so sollte es auch den Rest der Reise bleiben.


Freitag, 18.8.2017

Der letzte gemeinsame Abend der Tour - hier auf der FähreDer Aufenthalt auf See war nicht mehr ganz so spannend wie vor zwei Wochen. Kannten wir die Einrichtungen des Schiffes doch alle schon. Sogar die Gesichter der Mitreisen-den kamen einem bekannt vor. Von den Färöern war dieses Mal nichts zu be-merken, da die Fähre morgens um 3 dort anleg-te. Man fragt sich unwill-kürlich, was die Touristen dort um diese Zeit unter-nehmen konnten… Erst die Shetland-Inseln waren wieder aus der Ferne zu bewundern. Gegen Abend passierte das Schiff einige dieser beeindruckenden Bohrplattformen vor der Küste Norwegens, die auf der Herfahrt in die Nachtpassage gefallen waren.


Samstag, 19.8.2017

Erster Eindruck vom Festland - dicke WolkenBeim Anlegen in Dänemark schien die Sonne bei ungewohnt heißen 24°, aber mit dicken Wolken im Hintergrund. Bis 14 Uhr hatten alle die Fähre verlassen. Und schon er-eilte uns ein richtig heftiges Ge-witter. Ab da ging es bei wechsel-haftem Wetter mehr oder weniger schnurstracks Richtung Heimat. Da einige am Sonntag Abend zu Hau-se sein mussten oder wollten, trennten sich schon in Dänemark die Wege von denen, die es nicht so eilig hatten. Eine weitere unse-rer Abenteuertouren ging damit zu Ende. Und wie könnte man nun in Anlehnung an das letzten Mal - Albanien 2013 - sagen?

„Wir sind immer noch nicht zu alt für diesen Schotter!“.


Organisation: Ingo Tiegs

Fotos: Carsten Diem, Georg Spindler, Anja Schedler, Heidi Hauspurg, Maik Schürer, Hans-Joachim Lawitschka


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